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POP 2001 - Geschichte wird gemacht
  


POP 2001 - Geschichte wird gemacht

Pop ist Geschichte, schreibt Geschichte, prägt Geschichte und erzählt Geschichten - aber was ist eigentlich deutsche Pop-Geschichte? Seit Pop 2000, der preisgekrönten zwölfteiligen Dokumentation des WDR, haben wir eine ungefähre Ahnung davon. Wir konnten erfahren, was Pop über die Jahrzehnte hinweg war, was er neuerdings sein kann und vor allem, wie viel Spaß er immer schon gemacht hat. So waren nicht nur die Worte der Zeitzeugen teils erhellend, teils erheiternd, auch 17 großartige eigenwillige Interpretationen deutscher Popklassiker entstanden in diesem Zusammenhang. Die CD Compilation "Pop2000" brachte zwei Top Ten Hits, "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" von Jan Delay und "Big in Japan" von den Guano Apes sowie jede Menge geschmacklicher Überraschungen hervor. Unter dem Motto "Das gibt's nur einmal" durchlebten Künstler erneut ihre persönlichen Lieblingssongs - und interpretierten so ein Stück Geschichte anders, quicklebendig ...neu!

Doch das war nur der Anfang! Geschichte wird gemacht. Ein großer Song ist zeitlos und überträgt in Wort und Melodie, was ansonsten ungesagt, ungesungen, ungedacht bleiben würde - gestern und morgen.

Wenn Scycs schmachtend die Strophe von "You're My Heart, You're My Soul" intonieren, versteht man: Dieter Bohlens Songtexte sind zwar schlicht, aber er ist in seiner unvergleichbaren Direktheit auch ein Liebeslyriker - und Liebe ist nun mal dann am besten, wenn sie unkompliziert und direkt bleibt.
Wenn Techno-Held Westbam der Love-Parade den Rücken kehrt und die MayDay hinter sich lässt um Ton, Steine Scherbens "Rauch-Haus-Song" zu covern, ist das eine tiefe Verneigung vor den widerständigen Potentialen der Nachkriegsgeschichte. Gehen Scooter das Wagnis ein, "Am Fenster, eine der größten Hymnen der EX-DDR neu aufzunehmen und ins Trance-Gewand zu packen, dann reißen sie die Mauer in den Köpfen weit effektver ein als manch ein Politiker dies mit großen Worten vermag. Zwei Songbeispiele von vielen, die nirgendwo anders als im Deutschland der 70er Jahre entstehen konnten. Die nachhaltig dazu beigetragen haben, dass hierzulande kulturelle Potentiale konsequent genutzt werden können und neue Traditionen etablierbar sind. Musikalisch einzigartig und im positiven Sinne "deutsch"...

So feiert Pop2001 die deutsche Musikgeschichte. Und wir haben wirklich Grund zu feiern. Es ist unsere Pop-Geschichte, die jeder für sich und mit anderen er- und gelebt hat, die unsere kulturelle Identität prägte - und es sind unsere Popstars, mit denen wir aufgewachsen sind, und denen POP 2001 offensiv huldigt.
Stars, deren Erfolg sich in verkauften Platten und Chartpositionen wiedergeben lässt. Stars, deren Bedeutung sich eher über ihr Renommee, ihren Szene-Einfluss definiert. Und Stars, die in Zukunft eines von beiden sein werden - Millionenseller oder Trendsetter. Oder vielleicht auch beides in einem ?!
Denn Popmusik lebt durch Stars. Ihr Charisma, ihr Mythos, ihre Kunst geben einem Song den Hauch von Ewigkeit. Ihr Glamour, ihr Witz, ihr Ideenreichtum überwinden den Alltag. Stellvertretend für viele. Das ist der Sinn von Popmusik. Pop als Ausdruck von Emotionen. Ein weiter Weg ist beschritten worden, bis das hierzulande begriffen wurde: Es macht einfach Spaß, Stars zuzujubeln und sie zu verehren - ihnen zu danken, daß sie ihre Emotionen mit uns teilen und unseren Gefühlen einen Ausdruck verleihen. Noch Hildegard Knef wurde beschimpft und beneidet, weil sie aus ihrer Einzigartigkeit Charisma schöpfte und immer ungeheuer ehrlich war. Das ist das Holz, aus dem man Weltstars schnitzt - nun singt sie auf POP 2001 Rammsteins "Engel".

Und wer das Album intensiv hört, wird noch etliche andere spannende Ansätze entdecken. Ansonsten macht es vor allem eines: Viel Spaß!

Geschichte wird gemacht - POP 2001 !

© POP 2001

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